Der Krug wird glasiert

Der getöpferte Krug ist heil und ohne Risse aus dem Ofen gekommen. Säubern Sie ihn vor dem Glasieren von Staubresten z.b. mit PIN 184. Entscheiden Sie sich jetzt für eine Innenglasur z.B. KGG 71 transparent oder in einer glatten zur Außenglasur abgestimmte Farbe und eine Außenglasur. Bei dem als Muster gewählten schwarzen Ton werden die Farben erdiger als auf einem weißen oder roten Ton. Das muß bei der Auswahl berücksichtigt werden. Ich zeige Ihnen gern Glasurmuster auf allen drei Tonarten.

Wenn Sie eine Pulverglasur z.B. KGG 71 für innen wählen, sollten Sie diese mit Ihrem Aräometer auf etwa 47 bis 52°Bé verdünnen – das ist etwas dicker als Milch aber dünner als Kondensmilch. Eine streichfähige Fertigglasur verdünnen Sie im Verhältnis 1 : 1 mit Wasser. Gießen Sie die Flüssigkeit in das Gefäß und schütten Sie sie unter zügigem Drehen wieder aus. Der noch poröse Krug hat das Wasser sehr schnell aufgesogen und die enthaltene Glasur haftet nun an der Innenwand.

Schneiden Sie Tropfen ab und wischen Sie ggf. die Stellen sauber, die nicht glasiert werden sollen. Lassen Sie jetzt den Krug mindestens einen Tag trocknen. Das erscheint zeitraubend, aber ich meine, Sie sollten auf das Glasieren ungefähr so viel Zeit aufwenden wie für das Töpfern. Das Ergebnis wird Sie überzeugen.

Sie können die Außenseite auch unglasiert lassen, wenn sie jetzt schon besonders schön aussieht. Soll eine Außenglasur aufgetragen werden, dann empfehle ich für den Anfang eine streichfähige Fertigglasur, die Sie gut durchrühren und mit dem Pinsel z.B. PIN 113 in gleichmäßigen Strichen auftragen.

Es ist dabei hilfreich, die gesamte Glasur in eine kleine Schale zu geben. Sie können sich dann überzeugen, daß die Masse gut verrührt ist. Tauchen Sie den Pinsel ganz ein und streichen ihn am Gefäßrand aus. Tragen Sie lieber in drei dünnen Schichten als in einer dicken Schicht auf. Sie beginnen mit dem dünnen Auftrag am oberen Krugrand und ziehen den Pinsel in einem Schwung bis etwa 1 cm über dem Bodenrand. Üben Sie evtl. auf einem Stück Zeitungspapier. Der nächste Pinselstrich wird zur Hälfte überlappend auf den vorherigen gesetzt, solange bis die Anfangsstelle wieder erreicht ist. Der Henkel wird dabei mit einbezogen.

Die erste Schicht trocknet sehr schnell ein. Sie können schon bald mit dem zweiten Auftrag beginnen. Nun beginnen Sie am Henkel und setzen die Pinselstriche quer zum vorherigen Auftrag vom oberen Rand bis zum Boden. Ein Gittermuster entsteht.

Diese Schicht benötigt schon eine etwas längere Trockenzeit. Erst wenn sie ganz trocken ist, kann evtl. ein dritter Auftrag erfolgen. Dieser gleicht dem ersten Auftrag, sollte aber nicht mehr so weit nach unten gehen. Die bauchigste Stelle ist eine gute Grenze.

Zum Schluß wischen Sie unsaubere Stellen und den Boden ab, schneiden Tropfnasen mit einem scharfen Messer z.B. WZ 471 ab und lassen den Krug vor dem Glasurbrand etwa einen Tag lang trocknen.

Einige Glasuren bilden beim Brand sehr schöne Verlaufsspuren. Da Glasuren aber untrennbar mit Ihrer Unterlage verschmelzen, sollten Sie den Boden und einen schmalen Krugstreifen glasurfrei lassen, auch wenn das Gefäß zum Brand auf Dreifüße z.B. KB 2 bis 8 gestellt wird. Wollen Sie aber auf die Rund-um-Glasur nicht verzichten, geht dies auch. Für den Brand benötigen Sie dann Brennfüße aus Metall z.B. KBM 9 bis 86.

Trotz aller Sorgfalt passiert es hin und wieder, daß die Glasur nach dem Brand anders aussieht als Sie erhofft haben. Dafür gibt es viele Gründe, z.B.:

Es könnte sein, daß das Farbmuster, nach dem Sie die Glasur ausgewählt haben, beim Brand im Ofen gelegen hat und die von Ihnen glasierte Wand senkrecht steht. Das gibt andere Verlaufsspuren.

So wie jeder Mensch verschieden schreibt, so unterscheiden sich auch die einzelnen Glasuraufträge. Ich setze oft extra dicke und dünne Aufträge nebeneinander und erhalte so noch mehr Effekte.

Manchmal berühren sich Farben und bilden zusammen eine dritte Farbe. Das kann zu schönen Rändern führen. Ich streiche gern verschiedene Glasuren übereinander und nutze damit aus, daß aus zwei Glasuren oft eine vollkommen andere dritte Farbe entsteht. Reste vermische ich und erhalte so weitere neue Farben.

Glasieren ist auch heute noch für mich ein kleines Stück ein Abenteuer und das macht mir riesigen Spaß.

Glasieren

Übersicht